
Was ist Nachtempern und warum ist es so wichtig?
Nachtempern, manchmal auch als „Wiedererhitzen“ bezeichnet, ist der letzte Schritt im Folierungsprozess und erfüllt zwei Hauptfunktionen:
- Verhindert Ablösungen, Aufrollen oder Kantenversagen:
Wenn die Folie in tiefe Sicken, Rundungen oder enge Konturen gedehnt wird, bleibt eine innere Spannung im Material bestehen. Auch wenn die Folie zunächst fest zu sitzen scheint, kann diese Spannung dazu führen, dass sie sich mit der Zeit wieder zusammenzieht. Durch das Erreichen der empfohlenen Nachtemperatur wird die Folie „zurückgesetzt“ – die Spannungen lösen sich, sodass sie nicht mehr in ihre ursprüngliche Form zurückwill. Dadurch wird das Risiko von Ablösungen, Aufrollen oder Kantenversagen deutlich reduziert. - Sorgt für eine dauerhafte Verbindung mit der Fahrzeugoberfläche:
Das Nachtempern hebt die Folie auf die erforderliche Temperatur an. In diesem Moment wird der Klebstoff weicher und fließt besser, wodurch er sich optimal setzen und eine dauerhafte Verbindung mit der Oberfläche eingehen kann. Gleichzeitig werden innere Spannungen im Material abgebaut und die Folie in ihrer finalen Form fixiert.
Kurz gesagt: Wird das Nachtempern ausgelassen, kann der Klebstoff unzureichend aktiviert bleiben – mit versteckten Schwachstellen als Folge, die oft erst Wochen oder Monate nach der Folierung sichtbar werden.
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Überblick über den Prozess
Vor dem Nachtempern
- Prüfen Sie, dass alle Kanten und Konturen keine sichtbaren Ablösungen aufweisen.
- Entfernen Sie bei Bedarf die obere Schutzfolie der Wrap-Folie (z. B. bei glänzenden 3M-Folien).
- Stellen Sie sicher, dass sich keine Luftblasen oder Lufteinschlüsse unter der Folie befinden. Wenn sich eingeschlossene Luft beim Erhitzen ausdehnt, kann dies zu Rissen oder Schäden an der Folie führen.
Während des Nachtemperns
- Verwenden Sie einen leistungsstarken Heißluftföhn (idealerweise mit digitaler Steuerung) sowie ein Infrarot-Thermometer, um die Temperatur kontinuierlich zu überwachen.
- Bewegen Sie den Heißluftföhn gleichmäßig in einem sicheren Abstand zur Folie (ca. 5–10 cm), um Überhitzung oder Beschädigungen zu vermeiden.
- Konzentrieren Sie die Hitze auf Sicken, Konturen und stark gedehnte Bereiche. Glatte, nicht gedehnte Flächen benötigen in der Regel kaum oder kein Nachtempern.
- Halten Sie die Zieltemperatur konstant ein und stellen Sie sicher, dass sie nicht unterschritten wird, damit der Prozess stabil und wirksam bleibt.
Nach dem Nachtempern
- Nachdem die Zieltemperatur erreicht und der Bereich behandelt wurde, drücken Sie die Folie erneut mit einem Filzrakel an, um die Haftung zu sichern.
- Das folierte Fahrzeug sollte 12–24 Stunden in einer stabilen Innenumgebung verbleiben, damit sich der Klebstoff ohne Witterungseinflüsse stabilisieren kann.
Fehlerquellen & Risiken bei falschem Nachtempern
Wird die erforderliche Nachtemperatur nicht erreicht (z. B. nur 70 °C statt der notwendigen 90 °C), können innere Spannungen in der Folie bestehen bleiben. Dies kann im Laufe der Zeit zu Ablösungen, Abziehen der Folie, Wellenbildung oder sich zurückziehenden Kanten führen.
Zu starke oder punktuelle Erwärmung kann hingegen zu Verfärbungen, Materialschäden oder sogar zum Ablösen der Folie führen. Achten Sie daher darauf, den Heißluftföhn stetig zu bewegen und die Hitze nicht zu lange auf einen einzelnen Bereich zu konzentrieren.

Typische Nachtemperaturbereiche für verschiedene Folien
Alle Hersteller geben spezifische Nachtemperaturen vor. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht typischer Richtwerte für die gängigsten Color-Change-Folien, die von Spandex vertrieben werden.
Wichtig: Die unten angegebenen Temperaturbereiche dienen lediglich als allgemeine Orientierung und entsprechen den üblichen Herstellerangaben zum Zeitpunkt der Erstellung. Maßgeblich sind stets die aktuellen technischen Datenblätter der jeweiligen Folie, da sich die Spezifikationen je nach Material, Oberfläche und Produktionscharge unterscheiden können.
| Hersteller & Folie | Nachtemperatur* |
| 3M Wrap Film Series 2080 | 93 – 102 °C |
| Avery Dennison Supreme Wrapping Film (SWF) | 90 – 97 °C |
| ORAFOL Oracal 970RA | 110 – 120°C |
| Arlon Premium Colour Change (PCC) | 95 – 105 °C |
| KPMF Wrapping Film | 100 °C |
*Bitte beachten Sie die aktuellen Herstellerangaben im technischen Datenblatt.
Unsere Tipps für Profis in der Fahrzeugfolierung
- Arbeiten Sie in einer kontrollierten Umgebung (idealerweise 18–22 °C), um ein gleichmäßiges Verhalten der Folie und präzises Nachtempern zu gewährleisten. Eine stabile Temperatur erleichtert es, die richtige Nachtemperatur zu erreichen und zu halten, und reduziert das Risiko von Haftungsproblemen.
- Dokumentieren Sie Ihre Arbeit, z. B. durch Fotos nach dem finalen Nachheizen, das Messen der Temperaturwerte und deren ggf. schriftliche Erfassung. Dies hilft bei der Qualitätssicherung, bei Garantieansprüchen und in der Kundenkommunikation.
- Bei komplexen Oberflächen empfiehlt sich die Anwendung der Pre-Stretch- und Heat-Shrink-Methode: Dehnen Sie die Folie im kalten Zustand leicht vor, bringen Sie sie an und erwärmen Sie sie anschließend gezielt. So wird eine spannungsfreie Anpassung an Rundungen erreicht.
- Stellen Sie sicher, dass Einstellungen und Techniken zum Nachtempern regelmäßig im Team aufgefrischt werden. Selbst erfahrene Verarbeiter profitieren von regelmäßigen Schulungen, da sich Materialien, Klebstoffe und Best Practices stetig weiterentwickeln.
Fazit
Nachtempern ist kein optionaler Schritt, sondern ein entscheidender Bestandteil der Fahrzeugfolierung. Das Einhalten der vom Hersteller empfohlenen Temperaturen, die sorgfältige Behandlung kritischer Bereiche sowie der Einsatz geeigneter Werkzeuge gewährleisten eine langlebige und makellose Folierung.
Wenn Sie Ihre praktischen Fähigkeiten ausbauen und Ihr Fachwissen vertiefen möchten, bieten unsere Schulungen praxisnahe Anleitung durch Branchenexperten.


